[Italien] Gegen den 41bis, revolutionäre Solidarität mit dem Anarchisten Alfredo Cospito

Am Donnerstag, den 5. Mai, wurde der inhaftierte Anarchist Alfredo Cospito über die Verhängung des 41-Bis-Haftregimes informiert, das ihm aufgedrückt wurde.

Am Donnerstag, den 5. Mai, wurde der inhaftierte Anarchist Alfredo Cospito über die Verhängung des 41-Bis-Haftregimes informiert, das ihm aufgedrückt wurde. Derzeit befindet sich Alfredo noch im Gefängnis von Terni, in den dafür vorgesehenen Trakt. Wir wissen nicht, ob es sich dabei um ein vorübergehenden Aufenthaltsort handelt oder ob eine Versetzung in eine andere JVA folgen wird. Der Erlass wurde, wie gesetzlich vorgeschrieben, direkt von der Justizministerin Marta Cartabia, der ehemaligen Präsidentin des Verfassungsgerichts, erlassen. Erinnern wir uns kurz daran, dass das 41bis ein besonders leidvolles Strafvollzugsregime vorsieht: Unterbindung jeglicher Kommunikation, Isolation, kein Hofgang und Untersagung jeglicher sportlicher Aktivität, komplette Stille, Zensur des Schriftverkehrs, eine einstündige Besuchszeit pro Monat mit einer Glastrennwand und einer „Gegensprechanlage“, die die Gespräche aufzeichnet, 10 Minuten Telefonate pro Monat mit einem autorisierten Familienmitglied, das gezwungen ist, aus einer Carabinieri-Kaserne anzurufen. Den Gefangenen ist es untersagt, Zeitungen und Bücher zu erhalten, ein Großteil der Korrespondenz wird aufgrund ihres Inhalts blockiert, außerdem ist es nicht möglich, Zeitungen zu kaufen, und die Verfügbarkeit von Gegenständen in der Zelle ist stark eingeschränkt (Bücher, Kleidung, Lebensmittel, Papier- und Stiftkontingent). Dies ist nicht das erste Mal, dass eine solche Maßnahme auf Revolutionäre angewandt wird; 2006 wurden vier Gefangene der Roten Brigaden in solchen Einrichtungen interniert (eine von ihnen, Diana Blefari, beging im Oktober 2009 Selbstmord, kurz nachdem sie vom 41bis deklassiert worden war). Dies ist ein Präzedenzfall, der trotz der Mobilisierungen noch nicht gebrochen wurde.

In diesen ersten Stunden des Zorns müssen wir uns mit zwei Themen befassen:
Einerseits nehmen wir den persönlichen, physischen Angriff auf einen anarchistischen Gefährten zur Kenntnis, der in diesen zehn Jahren nie den Kopf gesenkt hat: ein Gefährte, der sich dazu bekannt hat, dem Vorstandsvorsitzenden von Ansaldo Nucleare, Herrn Adinolfi, direkt in die Beine geschossen zu haben. Die Tatsache, dass Alfredo nicht isoliert und sein revolutionärer Beitrag nicht zum Schweigen gebracht werden konnte, war den Ermittlern ein Dorn im Auge. Dies hat in den letzten Jahren zu weiteren restriktiven Maßnahmen gegen ihn geführt, wie der Zensur der Korrespondenz und dem Erlass eines Haftbefehls im Gefängnis im Rahmen der Operation „Sibilla“ am 11. November 2021, mit der die Repressionskräfte versuchten, eine Zeitung und Publikationen, die im Laufe der Jahre Artikel und Beiträge des Gefährten veröffentlicht hatten, aus dem Verkehr zu ziehen. Wir müssen Alfredo die Solidarität einer Bewegung spüren lassen, die sich nicht zähmen lässt, die ihn nicht vergessen hat, die ihn nicht allein lässt; wir müssen dafür sorgen, dass diese Solidarität die Verbote durchbricht und die Isolation durchbricht.

Andererseits sehen wir in dieser Tatsache einen Präzedenzfall gegen die gesamte anarchistische Bewegung. Wir brauchen eine wirksame internationale Mobilisierung, die den italienischen Staat den Preis für diese x-te Entscheidung zahlen lässt. Mit anderen Worten: So einen Präzedenzfall darf es nicht geben.

Anarchist zu sein ist schwierig, aber es ist uns egal, ob dies als Verbrechen angesehen wird oder nicht. Diejenigen, die hungern, ausbeuten, Bomben auf die Bevölkerung werfen, sind dieselben Männer und Frauen, die dafür sorgen, dass der Anarchismus in die Schemata des Gesetzes gezwungen wird, seine Spannungen unterdrückt und die Möglichkeit konkreter Aktionen unterdrückt. Dieses Haftregime ist auch eine Warnung an all jene, die schon immer geglaubt haben, dass es keine „Freiheiten“ gibt, die von den Herren und Herrschern gewährt werden. Es ist eine Botschaft an jene, die durch die Kombination von Denken und Handeln den Staat und das Kapital zerstören wollen.

Wir brauchen eine Mobilisierung, die in der Lage ist, einen Gegenangriff zu starten. Wir können und wollen die politische und persönliche Verantwortung von der Ministerin Marta Cartabia nicht verschweigen. Die Juristin scheint mit ihrer Maßnahme dem für den 25. Mai anberaumten Urteil des Kassationsgerichtshofs im Prozess Scripta Manent um zwanzig Tage zuvorzukommen. In diesem Prozess wurde Alfredo in der Berufung zu zwanzig Jahren Haft wegen subversiver Vereinigung zu terroristischen Zwecken und Massaker zu terroristischen Zwecken verurteilt (zu denen noch die neuneinhalb Jahre des bereits erwähnten Prozesses gegen Adinolfi hinzukommen). In Italien ist der Straftatbestand des „Massenmords“auch ohne Tote und Verletzte vorgesehen, da die Möglichkeit eines Sprengstoffanschlags besteht. Das Verbrechen des Massenmordes könnte der Schlüssel zur 41bis-Klausel gegen Alfredo gewesen sein. Das gleiche Verbrechen des Massenmords wird im Scripta-Manent-Prozess auch noch der Anarchistin Anna Beniamino und in einem anderen Prozess dem Anarchisten Juan Sorroche zur Last gelegt. Dies zeigt, dass der Präzedenzfall bereits potenzielle Folgen für andere Gefährt:innen hat.

Die Ministerin Cartabia wird von den progressiven Gruppen, die die Kampagne für ein weibliches Staatsoberhaupt in Italien ins Leben gerufen haben, nachdrücklich als Präsidentin der Republik in Pectore unterstützt. Es sei daran erinnert, dass in Italien der Präsident der Republik auch die Funktion des obersten Richters wahrnimmt und den Vorsitz im Obersten Richterrat (CSM) führt. Wir werden uns nicht über den Missbrauch und die Verstöße gegen das Gesetz durch die Bürokraten, die es verwalten, beschweren, aber wir können nicht umhin, zu beobachten, wie Ministerin Cartabia sich bewusst dafür entschieden hat, ihr ganzes politisches Gewicht – als Juristin, als Ministerin, als mögliche künftige Justizoberhaupt – mit einer Bestimmung durchzusetzen, die neben anderen Ungerechtigkeiten auch die Beeinträchtigung der möglichen endgültigen Verurteilung von Alfredo und den anderen Angeklagten beinhaltet. Aus all diesen Gründen können wir nicht eine Minute warten. Wir rufen daher zu einer internationalen Mobilisierung im Zeichen einer revolutionären Kontinuität auf, die ihren Aktionsradius immer weiter ausdehnt.

Gegen den 41bis, lasst uns die Isolation durchbrechen!

Wenn ihr versucht, uns zum Schweigen zu bringen, werden wir euch die Hand abbeißen!

Gegen die Zensur halten wir an der anarchistischen Propaganda fest!

Revolutionäre Solidarität mit dem Anarchisten Alfredo Cospito!

Anarchisten


Übernommen von de.indymedia.org

[Omsk & Tcherepovets, Russland] Zwei weitere Rekrutierungsbüros mit Molis beworfen

Nach den Büros von Nijnevartovsk, Zubova Polyana, Voronej, Sverdlovsk, Ivanovo und Lukhovitsy (Moskau) wurden zwei weitere militärische Rekrutierungsbüros in Omsk und Tcherepovets mithilfe von Molotowcocktails in Brand gesteckt. Sie sind das siebte und das achte dieser Art, die in Russland seit Beginn der Invasion in die Ukraine dieses Schicksal erlitten.

In der Nacht auf den 13. Mai 2022 in Omsk (Sibirien) haben Unbekannte mehrere Molis durch die Fenster des militärischen Rekrutierungsbüros des zentralen Distrikts in der Puschkinstraße 74 geworfen. Mindestens zwei Fenster wurden durchschlagen. Einer der Räume des Rekrutierungsbüros fing Feuer und eine Fläche von 30 Quadratmetern soll abgefackelt sein. Es wurde außerdem berichtet, dass „gewisse Archivdokumente beschädigt wurden“.

In der Nacht auf den 8. Mai 2022 in Tcherepovets (Vologda) haben Unbekante mehrere Molotow-Flaschen angezündet und gegen die Fenster des militärischen Rekrutierungsbüros geworfen. Letzeres befindet sich im Erdgeschoss des Verwaltungsgebäudes in der Krasnodontsevstraße 118. Im Video, das kursiert, wirft eine Person die Molis, während die zweite Schmiere steht. Der Brand hat zwei Fensterrahmen beschädigt und die Fassade des Gebäudes geschwärzt.

Hoffen wir, dass die Partisanen frei bleiben und dass alle militärische Rekrutierungsbüros in Schutt und Asche gelegt werden!


Übernommen von Sans Nom

[Hamburg] Kabelbrand bei Deutscher Bahn

Ein Böschungsbrand erwischt das richtige Kabel: Seit Donnerstagnacht ist der Fernverkehr der Bahn, genauer der mehrerer ICE-Linien, gestört, insbesondere zwischen Hamburg und Berlin geht fast gar nichts. Bis mindestens einschließlich Sonntag wird mit Störungen gerechnet.

Den Kabelbrand hatte es in der Nähe des Bahnhofs Sternschanze in Hamburg gegeben – auf der sogenannten Verbindungsbahn, die von Altona über Diebsteich, Sternschanze und Dammtor bis zum Hauptbahnhof verläuft. Sie gehört bundesweit zu den verkehrsreichsten Strecken. Die Brandursache ist weiterhin unbekannt, von Fremdeinwirkung geht die Polizei derzeit jedoch nicht aus. Über das betroffene Kabel laufe die gesamte Kommunikation auf dieser Strecke zwischen den Stellwerken, erklärte die Bahn. Darüber würden etwa die Weichen und die Signale gesteuert. Bei dem Kabel handelt es sich nach Angaben der Bahn-Sprecherin um ein 1.000-adriges Kupferkabel. Das sei sehr aufwendig wieder hinzubekommen. Die umfangreichen Reparaturarbeiten dauern weiter an.

[Berlin] Nachtrag zum Molotov-Angriff auf Objektschutz & Bauweise

Am 17. September 2021 fand ein Angriff mit Molotov Cocktails auf die Polizeiwache des Objektschutzes im Tiergarten (Thomas-Dehler-Straße) statt. Wir drückten unsere Unversöhnlichkeit mit jener Institution aus, in deren Hand alltäglich Menschen verletzt und ermordet werden. (Link zum Schreiben und zur Meldung aus dem Polizeibericht: https://chronik.blackblogs.org/?p=14967)

Nachdem bereits einige Monate verstrichen sind, wollen wir uns erneut dazu äußern. Einerseits, weil dieser Angriff wenig wahrnehmbar war bzw. kaum aufgegriffen wurde. Andererseits, weil wir die von uns gewählte Methode erklären wollen, um sie allen zugänglich und nachahmbar zu machen.

Das Gelände der Objektschützer*innen (kleine Erklärung siehe unten) grenzt von drei Seiten direkt an den weitläufigen Tiergarten an und ist lediglich über eine Straße in einem kleinen Viertel erreichbar, die kurz nach dem Eingang zur Wache für Autos in einer Sackgasse endet. Auf dem Gelände befinden sich ein einstöckiges Gebäude und zwei Carports, in denen 1-4 Autos abgeparkt werden, je nach Pausen- und Schichtzeiten.

Ein Ziel unseres Angriffs war es, die abgestellten Autos mit den Molotovs zu entzünden. Es war klar, dass sich des Nachts im Gebäude mehrere Bullen aufhalten würden. Sie mit unserem plötzlichen Auftauchen aus der Dunkelheit in Angst zu versetzen war ein weiteres Ziel. Auch ging es uns darum, zu zeigen, dass ihre Infrastruktur jederzeit und wenn sie nicht damit rechnen angreifbar ist.

Nicht einkalkuliert haben wir jedoch, dass die, sich im Gebäude befindenden Bullen schnell wieder in der Lage sein könnten, die Brände an den Autos zu löschen und den materiellen Schaden damit relativ gering zu halten. Da rund um die Wache ein Zaun gezogen ist und man durch die Fenster des Aufenthaltsgebäudes einen guten Überblick über das kleine Gelände hat, konnten wir nicht nahe an die Autos herankommen und haben uns deswegen für Mollis als Methode entschieden, die eigentlich eher dazu geeignet ist, Bullen auf Distanz zu halten als gezielt großen, flächendeckenden Schaden an Autos oder Gebäuden anzurichten.

Wahrnehmung der Aktion / Öffentlichkeit

In bürgerlichen Medien fand der Angriff kaum Erwähnung. Chefredakteure, Blaulichtreporter, Politik und Polizei koordinieren die Berichterstattung, um gewünschte Wirkungen zu erzielen. Die guten Kontakte zwischen Polizei- oder Blaulichtreportern und den Bullen selbst sind bekannt. Manchmal geht es in der Berichterstattung darum, einen Angriff auf sie oder ihre Infrastruktur zu skandalisieren, um zum Beispiel eine bessere Ausrüstung, mehr Gelder oder eine noch tiefgehendere gesellschaftliche Legitimierung polizeilichen Handelns gegen die an den Rand der Gesellschaft Gedrängten und/oder gegen kämpfende Menschen zu erreichen. Eine Skandalisierung und das Hervorheben jener selten gewordenen Herangehensweise war für jenes Ereignis anscheinend jedoch nicht gewollt. Die Angreifbarkeit ihrer Infrastruktur sollte verschwiegen werden und auch Festnahmen konnten nicht gemeldet werden.

Sicher hätte ein direkter (auch zeitlicher) Bezug auf Ereignisse z.B. in Berlin und damit die Kontextualisierung des Angriffs, die klare Linie noch deutlicher gemacht, die von der Menschenfeindlichkeit dieses Systems und den es schützenden Institutionen zu dem Hass und Widerstand der Unterdrückten gezogen werden kann. Wir denken, dass es genügend Gründe gibt, jederzeit die Bullen anzugreifen und es keine strategische Frage ist, wann so ein Angriff passieren sollte. Doch es kann zu bestimmten Momenten eine Frage der Strategie sein, ihre Infrastruktur durch Angriffe materiell oder psychologisch zu schwächen, damit z.B. Abschiebungen, Zwangsräumungen, etc. schwerer durchführbar werden.

Um die Notwendigkeit der Gegengewalt aber vielen Leuten verständlich zu machen, sie ihnen nahe zu bringen oder auch lediglich zu kommunizieren, ist ein direkter Bezug hilfreich und kann einen Rahmen für Bezugnahmen Anderer auf die Aktion bieten. Den Bezug, den wir in unserer Erklärung vorgenommen hatten, war möglicherweise zu generell gehalten.

Auch Plakate oder Flyer mit dem Text und, wenn vorhanden, Bildern des Angriffs können diesen im Nachhinein propagieren, verbreiten, zugänglicher machen und somit der Bestimmung durch die Massenmedien entreißen. Natürlich würden wir uns sehr freuen, wenn andere Unbekannte sich auf diese Art und Weise an dem Angriff beteiligen und wir so ein Netz der Bezugnahme spinnen. Wie bei jeder Aktion gilt hier aber auch, sich bei der Verbreitung von entsprechenden Informationen und Nachrichten nicht erwischen zu lassen und darauf zu achten, keine kriminalistisch verwertbaren Spuren zu hinterlassen.

Bauweise der Molotovs

Hiermit teilen wir ein technisches Detail unserer Aktion. Die Bauweise unserer Molotovs hat sich als einfach, sicher und sauber handhabbar sowie zuverlässig für das Ergebnis im Rahmen der vorher erwähnten Bestimmung bewährt.
Wir haben die Brandsätze für einen sicheren und trockenen Transport anders gebaut als herkömmliche Molotov Cocktails:
Wir haben verschraubbare Glasflaschen mit 0,5 l Volumen genommen und mit Benzin befüllt, so dass der Inhalt dicht und geruchsarm zu transportieren und einzusetzen war. An die Flaschenkörper haben wir mit Kabelbindern jeweils zwei (zwei für Ausfallsicherheit, eine tuts auch) Tischfontänen so angebunden, dass sie ein Stück neben dem Flaschenhals freistehen. Tischfontänen gibt es ganzjährlich zu kaufen, oft steht auf der Packung die Brenndauer (20 bis 45 Sekunden). Nach Entzünden der Fontäne bleibt so die Zeit der Brenndauer bis sie geworfen sein müssen. Im Vorhinein haben wir sowohl die Tischfontänen als auch zum Vergleich Wunderkerzen getestet. Erstere haben das Benzin beim Zerschellen der Flaschen zuverlässig entzündet.

Das wars auch schon von uns.
No Justice, no Peace!

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Der Objektschutz der Berliner Polizei ist für die Bewachung und Bestreifung von gefährdeten Objekten zuständig, hier angestellte Bullen sind normalerweise nicht verbeamtet und hatten eine kürzere Ausbildungszeit, sind aber äusserlich kaum von Beamt*innen zu unterscheiden. Sie tragen wie ihre besserbezahlten Kolleg*innen Schusswaffen. Sie fahren oft kleinere Autos und sitzen meist alleine drin.


Gefunden auf kontrapolis.info

[Stuttgart] Bundeswehrstand eingefärbt

Letzten samstag [wahrscheinlich 07. Mai] haben wir die bundeswehr in stuttgarts größtem shoppingcenter milaneo mit farbe angegriffen. Wir haben die bundeswehr eingefärbt und an ihrem stand einen sachschaden von mehreren tausend euro verursacht – so die cops und die lokalpresse. Solche aktionen sind in der heutigen zeit bitter nötig. Die bundeswehr ist in der ganzen welt aktiv um die interessen der deutschen burgeoisie mit waffengewalt durchzusetzen. Ob in mali, auf dem mittelmeer oder im jemen. Es geht nie um menschenrechte sondern immer nur um profite. Das 100 mrd. Aufrüstungspaket der bundesregierung zeigt außerdem das der kurs nicht in richtung abrüstung sondern ganz im gegenteil in richtung aufrüstung geht. Denn deutschland will seine großmachtsambitionen weiter ausbauen und im wetteifern der imperialisten mitspielen können. Ohne große armee geht das nicht. Natürlich ist die bundeswehr nicht der einzige akteur – deutsche konzerne, politiker und auch teile der medien überbieten sich gerade in ihrer kriegspropaganda. Das problem liegt im system – im kapitalismus. Denn sein konkurenzzwang führt zu krieg.

Wenn wir für den frieden kämpfen wollen müssen wir dieses system und seine aktuere angehen und überwinden. Denn der krieg beginnt hier – also ist es unsere aufgabe ihn auch hier zu stoppen.

Greifen wir die bundesewehr an wo immer sie auftaucht – verhindern wir, das sie neues kanonenfutter anwerben kann.

Krieg dem krieg!

Für eine befreite gesellschaft

Video von der aktion: https://vimeo.com/707577309


Übernommen von de.indymedia.org

[München] Über Razzien und ein §129-Verfahren gegen Anarchist*innen und den Raub einer Druckerei

Was ist passiert?

Wie bereits berichtet gab es am Dienstag, den 26. April koordinierte Razzien gegen Anarchist*innen aus München, aufgrund des Vorwurfs der Bildung einer kriminellen Vereinigung (§129). In diesem Rahmen wurden 4 Wohnungen durchsucht (2 davon, ohne dass dort überhaupt eine*r der Beschuldigten wohnt), sowie mehrere Kellerräume (teilweise auch die Nachbarräume von vermeintlich den Beschuldigten zugeordneten Räumen), eine Druckerei und die anarchistische Bibliothek Frevel.

Koordiniert vom Staatsschutz (K43) kamen ein Haufen vermummter USK-Bullen mit Rammböcken, teilweise gezogenen Waffen und sogar im Kettenhemd (jaja, ob dieser Bulle eine Wette verloren hat, oder ob gerade Ritter-Themenwoche war, darüber war bislang nichts in Erfahrung zu bringen) um Punkt 6 Uhr früh in die Wohnungen gestürmt. Dabei rammten die notorischen Testosteronbündel sogar eine Tür ein, in der der Schlüssel von außen steckte. Teilweise mussten sie oder ihre Kollegen vom K123 (Digitale Forensik/Telekommunikationsüberwachung) sich zuvor in das lokale WLAN-Netz eingeklinkt haben, jedenfalls schienen sie genau darüber im Bilde zu sein, welche Geräte aktuell im lokalen WLAN-Netz eingeloggt waren. Ausgerüstet mit Powerbanks und mutmaßlichen Farradayschen Käfigen in Beutelform (die der Abschirmung von Funksignalen dienen) stürzten sich die Beamten auch gleich auf diese (allesamt Smartphones) und sicherten sie so im angeschalteten Zustand.

Nach diesem Auftakt bequemten sich dann auch irgendwann die Ermittler des K43 herbei und eröffneten den Betroffenen die Durschuchungsbeschlüsse und präsentierten irgendwelche mitgebrachten Pseudo-Zeug*innen von lokalen städtischen Behörden. Und dann ging es auch schon los: Rund sechseinhalb Stunden durchwühlten die Schweine auf der Suche nach dem üblichen wie Computern, Speichermedien, Mobiltelefonen, aber auch Druckern, anarchistischen Publikationen, “Unterlagen und/oder Dateien, die Aufschluss über das linksextremistisch-anarchistische Gedankengut” der Beschuldigten geben, persönliche Aufzeichnungen, Finanzdaten, “Unterlagen und/oder Dateien, die Aufschluss über etwaige Anschlagspläne der Beschuldigten geben“, sowie “Pläne, Werkzeuge und/oder Rohstoffe zur Herstellung von Bomben, Brandsätzen oder von sonstigen zur Begehung eines Terroranschlags geeigneter Gegenstände” einfach alles. Sie beschlagnahmten vor allem Speichermedien, Computer (auch von nicht Beschuldigten), Drucker, persönliche Notizen, Briefkorrespondenzen, mehrere hunderte anarchistische Publikationen in verschiedensten Sprachen. Außerdem suchten sie intensiv nach Mietverträgen für angemietete Räumlichkeiten und forderten diese wohl auch von den Vermietern der ebenfalls durchsuchten Kellerräume ein.

Zeitgleich müssen auch die Durchsuchungen in einer Druckerei, mehreren Kellerräumen und der anarchistischen Bibliothek Frevel stattgefunden haben, von denen jedoch sowohl Durchsuchungsbeschlüsse, wie auch Sicherstellungsprotokolle fehlen. Auch hier brachen die Bullen ein und tauschten im Anschluss die Schlösser aus oder ließen die Räume offen zurück.

In der anarchistischen Bibliothek Frevel nahmen die Bullen nur einzelne Publikationen, Plakate, Sticker und dergleichen mit und klauten zudem den dort befindlichen Drucker.

Anders sah das in der ebenfalls durchsuchten, voll ausgestatteten Druckerei aus. Hier ließen die Bullen einen LKW und einen Kran anrücken und beschlagnahmten einfach alles: Vom Risograph (eine Druckmaschine) samt zugehörigen Trommeln bis zur Schneidemaschine, von der Sortier- bis zur Klebemaschine, ja sogar eine historische Letterpress und mehrere Bleisätze dafür wanderten allesamt in die Asservatenkammern der Bullen. Aber damit nicht genug. Tausende Bücher, Broschüren und Zeitungen, von den Worten Malatestas und Kropotkins bis hin zu denen von Bonanno, aber auch viele aktuelle Broschüren und Zeitungen nahmen die Bullen genauso mit, wie rund 50.000 Bögen unbedrucktes Papier, Tinte und vieles weitere. Als ein Zeichen ihres Respekts schütteten sie schließlich noch den Kaffee in die Spüle und machten sich mit ihrer Beute in einem 40-Tonner LKW davon.

Worum geht es?

Drei Beschuldigten wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen, weil sie nicht nur “Angehörige der linksextremistisch-anarchistischen Szene” seien, “den Bestand und die Werteordnung der Bundesrepublik Deutschland und jede Form staatlicher Ordnung ab[lehnen]” würden und “Gewalt, insbesondere solche gegen Sachen und/oder Polizeibeamte als legitimes Mittel zur Durchsetzung ihrer Ansichten” ansehen würden, sondern vor allem, weil sie das Anarchistische Wochenblatt Zündlumpen gefertigt, herausgegeben und vertrieben haben sollen. Dem folgt eine Auflistung von insgesamt 15 Zitaten aus verschiedenen von insgesamt 85 Ausgaben des Zündlumpens, bei denen es sich jeweils um “strafbewehrte Inhalte” handeln soll. Wir geben hier ein paar Blüten als Zitate aus dem Durchsuchungsbeschluss wieder:

“Am 10.04.2020 veröffentlichten die Beschuldigten auf dem Internetauftritt des Zündlumpen unter https://zuendlumpen.noblogs.org/post/2020/04/10/ die Kurznachricht “Brenn, E-Scooter, brenn!”. Sie berichteten über den Brand zweier solcher Kraftfahrzeuge am 04.04.2020 im Münchner Stadtteil Freimann und am 06.04.2020 am Rand des Englischen Gartens in München. Sie bezeichneten die Gefährte als “Plage”, die sabotiert werden müsse. Durch die Überschrift billigten die Beschuldigten die Brandstiftungen durch unbekannte Täter vom 04.04.2020 und 06.04.2020.”

“In der Ausgabe 61 vom 13.04.2020 forderten die Beschuldigten in dem als Comic verfassten Artikel “Rebellion gegen die Ausgangssperre” dazu auf, die Reifen von Polizeieinsatzfahrzeugen zu zerstechen, Polizeieinsatzfahrzeuge anzuzünden und aus brennenden Müllcontainern Straßenblockaden zu errichten. Die Zeichnungen fungieren als genaue Handlungsanweisungen. Die Beschuldigten forderten dadurch zu verfassungsfeindlicher Sabotage, Sachbeschädigung, Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel, Brandstiftung und Landfriedensbruch auf.”

“In der Ausgabe 62 vom 21.04.2020 veröffentlichten die Beschuldigten in dem Artikel “Was unsere (heimlichen) Leser*innen über uns denken, sagen und schreiben” eine bedrohende Nachricht an den Bayerischen Staatsminister des Innern Dr. Joachim Herrmann mit folgendem Wortlaut “Lieber Joachim, … ich für meinen Teil habe aus den Erfahrungen anderer Subversiver mit Menschen wie dir gelernt. Mit einem Tyrann diskutieren? Du musst wissen, ich stehe historisch auf Seiten derer – rein gedanklich versteht sich 😉 –, die Tyrannen lieber vor ihrer Zeit ins Gras beißen ließen. Und eines sollte dir klar sein, Polizeichefs standen dabei schon immer hoch im Kurs – höher noch, als Kaiser, Zaren und Könige.” Die Beschuldigten nahmen dabei zumindest billigend in Kauf, dass der Geschädigte diese Drohung ernst nimmt.”

Gegen die drei Beschuldigten wurde eine DNA-Entnahme angeordnet.

Noch mehr Kontext?

Da der konstruierte Mist auf der 2017 gegründeten Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) bei der Generalstaatsanwaltschaft München gewachsen ist und Informationen für die zugrundeliegenden Ermittlungen vom bayerischen LKA und Verfassungsschutz stammen sollen, wird klar, dass es hier um mehr geht, als um ein paar Zitate einer seit über einem halben Jahr eingestellten anarchistischen Zeitung.

Natürlich könnte man sich fragen, ob sich die ZET und der Staatsschutz vielleicht langweilen oder ob sie sich selbst beweisen müssen, dass sie ja schon zu irgendetwas nütze sind, und sei es nur dazu, Anarchist*innen auf die Nerven zu gehen, aber möglicherweise wäre das etwas zu kurz gegriffen.

Immerhin erleben Verfahren aufgrund der §§ 129 und 129a in letzter Zeit eine regelrechte Renaissance: In immer mehr Städten leiten Bullen 129-Verfahren gegen Anarchist*innen oder auch Antifaschist*innen ein, nur selten kommt es dabei tatsächlich zu irgendwelchen Anklagen. Vielmehr sind diese Verfahren ein beliebter Vorwand, um ausgiebig in den jeweiligen Szenen und Umfeldern zu schnüffeln. Razzien, die sich auch gegen nicht Beschuldigte richten, sind dabei nur ein Element der polizeilichen Strukturermittlungen. Auch Observationen, Telekommunikationsüberwachungen, das Anbringen von Wanzen, Kameras und anderem Equipment zum Ausspionieren und Überwachen von Personen sind oft Begleiterscheinungen solcher Verfahren. Es liegt also der Verdacht nahe, dass auch in diesem Fall gezielt ein bestimmtes Umfeld ausgespäht werden soll.

Und dann gibt es ja noch den dreisten und von langer Hand geplanten Raub einer gesamten Druckerei und tausender Publikationen! Ein offensichtlicher Versuch der Zerschlagung einer Infrastruktur zur publizistischen Verbreitung anarchistischer Ideen. Wenn es angeblich um eine bestimmte Zeitung, den Zündlumpen, gehen soll, warum werden dann massenhaft andere Zeitungen und Publikationen beschlagnahmt? Warum wird unbedrucktes Papier, Tinte, sowie sämtliches Gerät zur Herstellung von Büchern, Broschüren und Zeitungen mitgenommen?

Offensichtlich haben es die Bullen und die Generalstaatsanwaltschaft (ZET) auf mehr abgesehen: Sie versuchen die Verbreitung anarchistischer Ideen zu verhindern und Paranoia zu schüren, wenn sie etwa ganze Archive anarchistischer Texte beschlagnahmen und den Besitz von (Einzelexemplaren!) einer Zeitung im heimischen Bücherregal zum Anlass nehmen, diese selbst, sowie allerhand technisches Gerät und alle möglichen anderen anarchistischen Publikationen zu rauben.

Uns wundert das wenig. Anarchistische Ideen waren schon immer jenseits ebenso wie gegen jegliches Gesetz und es gibt folglich eine lange Geschichte der Verfolgung anarchistischer Ideen. Die jüngsten Razzien in München werden die Flamme in unseren Herzen gewiss nicht zum Erlöschen bringen! Ebensowenig wie sie verhindern werden, dass sich andere einen Drucker greifen und all das nachdrucken, was die Bullen beschlagnahmt haben.

Wenn es ein Verbrechen ist, für die Freiheit zu kämpfen, ist Unschuld das Schlimmste!

Frisch gerazzt und trotzdem noch da,
Ein paar Anarchos aus Bavaria


Übernommen von de.indymedia

Elany: Über meine Inhaftierung / About my imprisonment

Nachdem ich meine Zeit nicht länger im Knast verbringen muss, können nun Einzelheiten zur Festnahme genannt werden. Der Grund der Festnahme: es bestehe dringender Verdacht auf Sabotage eines Mobilfunkmastes. Wie die Polizei auf mich, bzw auf uns, aufmerksam wurde, weiß ich bis heute nicht. Es hatte aber wohl nicht geholfen, dass im Blog über diverse Fälle von Sabotage an Mobilfunkmasten berichtet wurde und dass ich handgeschriebene Notizen für ein „Handbuch der Sabotage“ bei mir trug, in welchem beschrieben wird, wie mensch Funkmasten, Straßenlaternen, Bankautomaten und anderes sabotiert. Zumindest konnte ich so allerdings die ganze Aufmerksamkeit auf mich lenken, sodass meine Partnerin schnell wieder entlassen werden konnte (neben einigen ableistischen Äußerungen und dass ihr gesundheitlicher Zustand ohnehin dagegen spreche und sie nicht zu gefährlichen Taten im Stande sei). Trotz belastender Indizien fehlt es jedoch bis heute an Beweisen. In all der Zeit hinter Gittern konnte nie ein Beweis erbracht werden, dass ich jene Tat, oder überhaupt irgendeine Tat, begangen habe. Somit sah das Gericht, dass eine längere Haft nicht angebracht sei bis stichhaltige Beweise vorliegen (auch zu meiner eigenen Überraschung, denn wir kennen alle die unzähligen Fälle, in denen Menschen im Knast verrotten, obwohl die Beweislage nur dünn oder gar nicht vorhanden ist).

Im Knast versuchen die Cops dich natürlich irgendwie zu brechen, wohl in der Hoffnung, dass mensch ein Geständnis ablegt und die weitere Inhaftierung dadurch „angenehmer“ wird. Das Zurückhalten der Post, die anfängliche Verweigerung benötigter Medikamente, Verweigerung des Hofgangs, was auch immer gerade versucht wurde. Am Schwierigsten war für mich aber wohl der Umstieg von einem sehr aktiven Lebensstil in der Natur und dem Sammeln meiner Nahrung (was möglich ist – fremde Gärten reicher Nachbar*innen sind da auch hilfreich) zu einem sesshaften Leben hinter Mauern, in welchem dir Gefängnisfraß serviert wird. Wer totes Tier, Getreide und industriell stark verarbeitete „Lebensmittel“ verweigert, wird sich zwangsläufig mit dem Hunger anfreunden müssen, denn viel Auswahl bleibt dir nicht mehr. Doch nichts von all dem ist in der Lage mich zu brechen. Das Leben hat mich bereits härter gefickt als es der Staat jemals kann, um es mal in moderner Sprache auszudrücken.

Jetzt heißt es für mich abzuwarten was noch kommt. Bis dahin rufen mich die Berge.

Abschließend sende ich herzliche Grüße und viel Liebe an all jene bekannten und unbekannten Gefährt*innen, die Unterstützung und Solidarität anboten und zeigten, die Informationen und meine Texte teilten, für die wundervollen Knastbotschaften, und natürlich allen Gefährt*innen, die hinter kalten Betonmauern eingesperrt sind. Ihr seid in diesem Kampf nicht alleine. Irgendwann werden wir auf den Trümmern sämtlicher Käfige tanzen.

(Ich bin am Wochenende wieder auf Twitter aktiv!)

ENG

Now that I no longer have to spend my time in jail, details of the arrest can be given. The reason for the arrest: urgent suspicion of sabotage of a cell tower. How the police became aware of me, respectively of us, I don’t know until today. It probably didn’t help that there were several reports about sabotage of cell towers in the blog and that I carried handwritten notes for a „manual of sabotage“, which describes how to sabotage cell towers, street lamps, ATMs and other things. At least I was able to draw all the attention to myself, so that my partner could be quickly released (apart from some ableist remarks and that her health condition speaks against it anyway and that she is not capable of dangerous deeds). Despite incriminating circumstantial evidence, however, there is still a lack of proof to this day. In all the time behind bars, no evidence could ever be produced that I committed that crime, or any crime at all. Thus, the court saw that a longer imprisonment was not appropriate until there was solid evidence (also to my own surprise, because we all know the countless cases of people rotting in jail, even though the evidence is thin or non-existent).

In jail, of course, the cops try to break you somehow, probably in hope that you will make a confession and further incarceration will be more „pleasant“ as a result. Withholding mail, initially refusing needed medication, refusing yard time, whatever they just tried. But probably most difficult for me was the transition from a very active lifestyle in nature and gathering my food (as much as possible – gardens of rich neighbors are also helpful) to a sedentary life behind walls where prison food is served to you. If you refuse dead animals, grains, and industrially highly processed „foods,“ you will inevitably have to make friends with hunger, because you won’t have much choice left. But none of this is able to break me. Life has already fucked me harder than the state ever can, to put it in modern language.

Now I have to wait and see what is still to come. Until then the mountains are calling me.

Finally, I send warm greetings and much love to all those known and unknown compas who offered and showed support and solidarity, who shared information and my texts, for the wonderful prison messages, and of course to all compas who are locked up behind cold concrete walls. You are not alone in this struggle. Someday we will dance in the ruins of all cages.

(See ya on twitter this weekend!)


Übernommen von Feral Fire.

[Montreal, Kanada] Nächtlicher Besuch bei einem Manager der RBC zuhause

Spät in der Nacht des 4. Mai besuchten Individuen, die auf Rache aus waren, das Zuhause von Michael Fortier in der Chester Avenue. Unter Premierminister Stephen Harper war Mister Fortier ein Kabinettsminister der Bundesregierung gewesen. Heute ist er der Vize-Vorsitzende für Kapitalmärkte bei der Royal Bank of Canada (RBC). In seinem großen Haus in der Stadt Mount-Royal (eine wohlhabende Nachbarschaft in Montreal, die durch eine lange Mauer von den Armen und Ausgebeuteten abgegrenzt
ist) versteckt, steht Mister Fortier ohne Zweifel hinter der Entscheidung seines Arbeitgebers, die Finanzierung der Coastal GasLink Pipeline fortzusetzen (sowie hinter all den anderen widerlichen Projekten, die von der RBC finanziert werden).

Während Gletscher schmelzen, sich Dürren, Waldbrände und Hunger ausbreiten, mag Mister Fortier denken, dass sein Geld und seine Beziehungen ihn, seine Kinder und seine Enkelkinder zu schützen vermögen. Aber die ökologisch Enteigneten werden die Namen derer kennen, die dafür verantwortlich sind. Er sollte besser verstehen, dass inmitten dieses Sturms keine*r sicher ist.

In der fraglichen Nacht sprangen die Flammen von einem Brandsatz auf den Motorblock seines vor dem Haus abgestellten Jaguars über.

Dieser Angriff findet in Solidarität mit den Landverteidiger*innen der Wet’suwet’en statt, sowie all denjenigen, die gegen die extraktivistische Industrie kämpfen.


Übersetzt von Montreal Counterinfo.

[Bremen] Zusammendenken, was zerstört gehört

Das Problem ist nicht nur ein Profitieren von Kriegen im Speziellen, sondern auch alltägliches Profitieren und Verfestigen von kapitalistischen Besitzverhältnissen im Allgemeinen. Kapitalismus bedeutet Normalisierung von Ausbeutung. Wir stören diese Abläufe.
Ein wenig Sand im Getriebe – vielleicht ja bald ein Strand.

Getroffen hat es diesmal, in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai, ein paar Reifen und damit wenigstens kurzzeitig die Mobilität folgender Firmen:
Spie in der Neustadt
Dussmann in Gröpelingen
Ferchau in Walle
Immobilien Bremen in Walle
Allianz in Walle

Solidarität mit allen Angriffen, die es in der Vergangenheit auf diese und ähnliche Player gab.

deserts and desertations


Übernommen von de.indymedia.org

[Los Álamos, Chile] „Die kapitalistische Entwicklung ist mit dem Leben der Mapuche nicht vereinbar“

Los Álamos (Chile), 28. April 2022: Dreiunddreißig Laster und Baufahrzeuge durch Angriff gegen die Forstindustrie von Flammen zerstört

Am Donnerstag, den 28. April 2022, hat eine Gruppe von 40 Personen der Gruppe Resistencia Mapuche Lavkenche (RML) am frühen Morgen mehrere Forstwirtschaftsunternehmen im Gebiet von Los Álamos, in der Region Bío Bío in Chile, angegriffen. Dreiunddreißig Kipplader,  Baggerlader, Frontlader und andere Kleinlaster wurden innerhalb von weniger als drei Stunden den Flammen übergeben, während die beiden Zugangsstraßen zu den Unternehmen (die Straße von Trongol und der Weg von Pilpilco) entweder von brennenden LKWs, die dort abgestellt worden waren, oder von gefällten Bäumen versperrt waren. Dieser koordinierte Angriff wurde von der chilenischen Presse als der wichtigste „seit dem Wiederaufflammen des gewaltsamen Kampfes durch radikale Mapuchegruppen 1997“ bezeichnet.

Unnötig zu sagen, dass die Wald vernichtenden Unternehmen (wie die Asociación de Contratistas Forestales) unmittelbar die Verlängerung des Ausnahmezustands gefordert haben, der im Oktober 2021 im ganzen Süden Chiles verhängt worden war, und der am 16. März diesen Jahres mit der neuen – linken – Regierung von Gabriel Boric sein Ende gefunden hatte. Man muss tatsächlich betonen, dass derselbe Ausnahmezustand (Estado de Excepción), mit Intervention durch Militärs um die Polizei zu unterstützen, letzten Februar im Norden Chiles verhängt worden war, und an der Grenze zu Bolivien und zu Peru nicht aufgehoben worden ist. Doch die Ankunft armer Migranten aus Venezuela im Norden ist nicht der fortgesetzte Kampf eines Teils der Mapuche im Süden um die Erden zurückzuholen und die Ausbeuter daraus zu verjagen, mit denen der chilenische Staat versucht den Dialog wiederherzustellen. Und die neue Innenministerin Izkia Siches wird das sicherlich nicht leugnen, sie, die am 15. März, in den ersten Tagen ihrer Amtszeit, auf die Schnapsidee gekommen ist, den Konflikt mit einer symbolischen Geste beschwichtigen zu wollen, indem sie sich in die Gemeinschaft von Temucuicui (in der Region von Araucanían) begab, um den Vater von Camilo Catrillanca zu treffen, einem jungen Bauern, der im November 2018 durch einen Schuss in den Kopf von der Gruppe für spezielle Operationen der Carabinieri, die damit beauftragt gewesen war die Ordnung wiederherzustellen, getötet worden war.

Temucuicui (Ercilla), 15. März 2022: angezündetes Auto auf einer Brücke, Schüsse und gefällte Bäume um die Ministerin zu empfangen

Eine Schnapsidee, weil ihr jede Möglichkeit des Dialogs und der Befriedung von einem Teil der Bewohner verweigert wurde, die damit begannen auf ihr Auto zu schießen und Bäume zu fällen um ihre Delegation zu blockieren, während ein brennendes Auto eine Brücke verbarrikadierte, neben das ein Transparent mit folgendem Text gehängt worden war: „Izkia Siches, solange es politische Mapuche-Gefangene gibt, wird es keinen Dialog geben. Für Kamilo Katrillanca und all jene, die im Kampf gefallen sind. Im Wallmapu akzeptieren wir kein Schmiergeld eines mörderischen Staates. Latifundisten und Forstwirte, verpisst euch. Schluss mit der Militarisierung. Resistencia Mapuche.“ Izkia Siches musste daraufhin Hals über Kopf kehrt machen und ihren Namen mit dieser öffentliche Demütigung des chilenischen Staates verbinden, was nicht wenig ist, da diese 36-jährige Chirurgin, die nun Innenministerin ist, immerhin das ganze Progressive der neuen Regierung verkörpern soll*, und damit beauftragt ist, die Mapuche-Frage durch einen Mix aus Repression und Integration endgültig zu lösen.

Am 29. April, dem Tag nach dem koordinierten Angriff auf Los Álamos**, ist Salvador Millaleo, der politische und strategische Koordinator für indigene Angelegenheiten im chilenischen Innenministerium, der Izkia Siches bei ihrer unfruchtbaren Reise nach Temucuicui begleitet hatte, von seinem Posten zurückgetreten. Mit ihm ist nun der ganze Plan zur Integration und Befriedung der Mapuche, der seit Monaten hinter verschlossenen Türen von der Linken ausgeheckt worden ist, auf dem Prüfstand: multiple Staatsbürgerschaft, wirtschaftliche Autonomie und die Wahl indigener Autoritäten, Operationen des Rückkaufs von Land mit Entschädigung der Latifundisten, und neue Regeln für die Forstwirte.

Los Álamos (Chile), 28. April 2022

Während Präsident Boric momentan erklärt hat, den Ausnahmezustand im Mapuche-Gebiet nicht wieder ausrufen zu wollen, hat er trotzdem eine sofortige Verstärkung der Sicherheitskräfte angekündigt, mit einer ersten Geldspritze von 6 Millionen Euro, und das ohne seine anderen kleinen Sorgen mitzuzählen, wie die nicht enden wollenden Schüler- und Studentendemonstrationen, im Laufe derer die Polizei am 25. März in Santiago bereits einen Jugendlichen mit einer Kugel verletzt hat. Zu dieser Gelegenheit hatte Boric logischerweise wie jeder andere Staatschef auch verkündet, dass „in dieser Regierung jeder Student, der in Dialog treten will, mit offenen Armen empfangen wird. Jene, die Busse anzünden wollen oder gewaltvolle Mittel einsetzen wollen, werden sich vor der Justiz verantworten müssen„… nachdem er direkt nach seiner Wahl ein klares Zeichen gesetzt hatte: den so verhassten Ricardo Yáñez als Nationalen Ordnungs- und Sicherheitsdirektor auf seinem Posten zu belassen, der von seinem Vorgänger ernannt worden war, derselbe, der als Generaldirektor der Carabinieri die Revolte vom Oktober 2019 im Blut erstickt hatte, in der es etwa dreißig Tote gab und tausende Verletzte (darunter 1400 durch Schüsse der Bullen und 285, die ein Auge verloren, ganz zu schweigen von den hunderten Vergewaltigungen in den Kasernen und Kommissariaten).

Santiago, 25. April 2022: ein Panzerfahrzeug der Carabinieri, das vor dem Gymnasium Instituto Nacional mit Molotows angegriffen wurde. Am 27. April haben Jugendlichen außerdem einen Bus abgefackelt, nachdem sie den Chaffeur und die Passagiere des Liceo Barros Borgoño zum Aussteigen gezwungen hatten.

Doch wenn es eine Sache gibt, die ein Teil der kämpfenden Mapuche-Gruppen (oft schmerzlich) im Laufe der Jahre des Kampfes zur Rückeroberung der Erden gelernt hat, dann dass Auge in Auge mit dem kältesten aller kalten Monster… nichts der direkten Aktion gleichkommt, wenn man sich danach sehnt in voller Autonomie außerhalb des staatlichen und kapitalistischen Jochs zu leben.

[Synthese der chilenischen Presse, 1. Mai 2022]


Anmerkungen

* „Ich bin eine Frau, jung, links, mit brauner Haut, aus Arica [eine Hafenstadt im Norden Chiles mit einem Wüstenklima], halb Aymara, mit Schlitzaugen, in Maipú aufgezogen und in einer vergammelten Schule unterrichtet, die kein Schwein kennt„, hat sie beispielsweise erklärt, indem sie gleichzeitig mit ihrer Identität und ihrer Klasse punkten wollte. Nur ist sie jetzt halt Innenministerin und das ist das Einzige, das zählt…

** In seinem Bekennerschreiben vom 29. April präzisiert Resistencia Mapuche Lavkenche (RML)/Lavkenmapu-Nahuelbuta insbesondere:
„Die Gründe für diesen Angriff antworten auf die Schäden, die das Unternehmen Tramsa, geführt von Juan Ramirez, dem Trongol-Fluss zugefügt hat, dessen Fluten seit Jahren von seinen kapitalistischen Maschinen bedrängt werden, die die Flora und Fauna dieser Zone von Nahuelbuta zerstören und so auf unumkehrbare Art und Weise das Leben der Mapuche und der chilenischen armen Bauern, die dort leben, bedrohen. Diesen Subunternehmer anzugreifen bedeutet, Forestal Arauco der Angelini-Gruppe anzugreifen, deren Unternehmen an dieser extraktivistischen Kette teilnimmt. Tramsa hat immer an den Interessen dieser Forstgesellschaft teilgenommen, in dem es für seine Operationen Straßen gebaut hat und so unseren mapu zerstört. Es hat die Zuflüsse der Flüsse ausgetrocknet, die Flussläufe verändert und so die itrovil mongen [„Biodiversität“] der Mapuche und das Leben der Personen, die vom Trongol-Fluss abhängen, getötet.
Wir haben der Winka [Eroberer]-Regierung von Boric klipp und klar gemacht, dass die kapitalistische Entwicklung nicht mit dem Leben der Mapuche vereinbar ist. Dass die Zeit der Forstunternehmen im Wallmapu abgelaufen ist, denn wir werden sie weiterhin hinauswerfen. Auf dass die Flüsse frei bleiben, wie es die Mapuche sind.“

Los Álamos (Chile), 28. April 2022

Die fünf Angriffe, die mehr als 30 Fahrzeuge in Los Álamos zerstört haben, im Detail und chronologisch

Auszüge des Berichts von Radio Bío Bío in Chile, 28. April 2022

Am Anfang war die Rede von mindestens vier zerstörten Lastwagen, eine Zahl, die schnell auf 12, dann 25 und schließlich 33 kletterte, wenn man die Forst- und die Holzgranulat-Lastwagen sowie die schwere Maschinerie und die Autos mitzählt. Das Ereignis wurde als ein schwerwiegender Gewaltakt gemeldet, und die Ermittler haben präzisiert, dass es sich um fünf Angriffe handele, die in derselben Zone ausgeführt wurden.

* Um 8 Uhr 20 wurden zwei abgefackelte Fahrzeuge gefunden, die die Zufahrt zur Straße des Sektors von Trongol versperrten: ein Granulat- und ein forstwirtschaftlicher Laster.

* Gegen 9 Uhr 30 und nach diesen Ereignissen sind die Carabinieri am Ort des Geschehen angekommen, um die verschiedenen Angriffspunkte zu identifizieren.

Der erste ist das Granulatunternehmen Serfocom gewesen, bei dem ein Laster, ein Schaufelbagger und ein Frontlader zerstört worden sind. Am selben Ort haben Unbekannte zwei weiße Kleinlaster gestohlen, einen Chevrolet und einen Maxus.

* Um 9 Uhr 38 haben die Offiziere in Uniform einen dritten Angriff identifiziert. Es handelt sich um das Granulatunternehmen Tramza. Auf dem Gelände wurden 24 Fahrzeuge abgefackelt: vier Kleinlaster, ein Auto, 15 Kipplader, drei Forstlaster und ein Frontlader. Außerdem wurde ein anderer Lader durch Kugeleinschüsse und eine versuchte Inbrandsetzung beschädigt.

* Um 10 Uhr 10 finden die Carabinieri ein viertes Granulatunternehmen, das angegriffen wurde. Dort wurden ein Schaufelbagger und ein Kipplader angezündet, plus Schäden an Fenstern und ein beginnender Brand in dem Fertighäuschen, das als Kantine und Toilette diente.

* Zehn Minuten später haben die Polizisten einen fünften Gewaltakt festgestellt, ein abgefackelter privater Kipplader, auf dem Weg von Trangol, beim Kilometer 1 der Straße 436. Die Carabinieri haben außerdem erklärt, dass ein Toyota-Laster am selben Ort gestohlen wurde.

* Schließlich, um 10 Uhr 30, wurde eine Straßenbarrikade mit gefällten Bäumen auf dem Weg von Pilpilco festgestellt. Dreißig Minuten später haben Unbekannte auf der Straße P-404 auf das Forstunternehmen Forestal Antilemu geschossen. Es gab weder Schäden noch Verletzte.

Insgesamt gab es fünf Angriffe, eine Straßenblockade und mindestens zwei Schüsse gegen die Forstunternehmen in weniger als drei Stunden.

Wer mehr wissen will

Hinsichtlich des Kampfes, der momentan im Mapuche-Gebiet geführt wird, ist kürzlich [auf Französisch, Anm. d. Übs.] die Broschüre Entre Océans, forêts et volcans erschienen, die in ihrer Einleitung betonte: „Es handelt sich um einen Konflikt, in dem es der anti-industriellen Kritik und der Ablehnung der kapitalistischen Entwicklung gelingt, eine andere Welt zum Leben zu erwecken, eine Welt der autonomen Gemeinschaften, die versuchen in und mit der Natur zu leben, und nicht auf ihrem Rücken. Sicher, diese Gemeinschaften sind weder frei von hierarchischen Strukturen, noch von Unterdrückung in ihrer Mitte, und auch ihre Kampforganisationen sind von Hierarchien durchzogen, von Trennungen, die auf Geschlecht beruhen, von Tendenzen zu Hegemonie oder von Misstrauen gegen andere libertärere Ausdrücke des radikalen Kampfes gegen den Staat und den Industrialismus. Doch sie haben auf jeden Fall keinen Kult der staatlichen Herrschaft, der Ausbeutung der Fauna und Flora, des wahnsinnigen Wettlaufs nach vorn in Richtung einer immer künstlicheren Welt und eines immer assistierteren Lebens.“


Übersetzt von Sans Nom.